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Babykonzert Hannover


Babykonzert im Isernhagenhof bei Hannover

 

Programm:

Mozart Divertimento D-Dur, 1 Satz.
Debussy Claire de Lune
Haydn Serenade
Schubert Ave Maria
Brahms Ungarischer Tanz Nr. 5
Verdi Brindisi
Aznavour She
Manchini Moon River
Young In 80 Tagen um die Welt
Abba Thank You For The Music


Hannoversche Allgemeine Zeitung:

Babys in einem Konzert? Bisher war das keine gute Idee. Gelten in diesen Veranstaltungen doch strenge Ordnungsregeln. Dazu gehören angemessene Kleidung, Beifallsbekundungen nur zur gegebenen Zeit, kein Rascheln, Hüsteln, Flüstern.

Babykonzerte wie das im Isernhagenhof am Sonntag sind da ganz anders. Sie sollen es jungen Familien ermöglichen, eine kulturelle Veranstaltung gemeinsam zu besuchen. Statt strenger Stuhlreihen gab es auf dem beheizten Fußboden des Isernhagenhofes eine kunterbunte Krabbeldecken-Landschaft, in der es sich Eltern und Kinder bequem machen konnten. Die Babys durften lachen, weinen und glucksen.

 

Babykonzerte scheinen eine Marktlücke zu füllen. Die erste Veranstaltung im Isernhagenhof war ausverkauft. Das Konzept, klassische Musik live mit Baby erleben zu können, entwickelt sich hitverdächtig.


Die Organisatorin Daniela Friedrichs freute sich über die große Resonanz auf das erste Babykonzert im hannoverschen Umland. Die 220 Karten für die Premiere waren ganz schnell vergriffen, so dass am selben Tag eine zweite Aufführung angeboten wurde, die ebenfalls sehr gut besucht war. Für die meisten der kleinen Nachwuchshörer war es das erste Konzert in ihrem Leben.

 

Bevor die Musik erklang, kuschelten die ganz Kleinen entspannt auf der Decke, wurden gewickelt oder bekamen noch schnell ein Fläschchen. Die älteren Geschwisterkinder liefen umher oder spielten mit den mitgebrachten Spielsachen.

 

Dann begann das Dialog Quartett zu musizieren, und sofort lauschten alle fasziniert den Klängen von Mozarts Divertimento in D-Dur. Während vor allem die Großmütter konzentriert zuhörten, begannen einige Kinder zu tanzen. Das Divertimento ist ein sehr sonniges und sorgenfreies Jugendwerk und wurde für Gartenfeste und ähnliche Anlässe geschrieben.

Die Musikauswahl war insgesamt babygerecht, das heißt fröhlich, leicht und schwungvoll.

 

Auf dem Programm standen unter anderem eine Serenade von Haydn, die das Quartett locker und leicht musizierte, ein ungarischer Tanz von Brahms, den ein Kind im Publikum vorsichtig mit Rassel begleitete, und „Brindisi“, ein Trinklied aus der der Verdi-Oper „La Traviata“. Das „Ave Maria“ von Franz Peter Schubert hatte auf einige Kinder eine fast hypnotische Wirkung, während lebendige Viervierteltakt-Kompositionen wie Victor Youngs „In 80 Tagen um die Welt" unmittelbar in Bewegung umgesetzt wurde.

 

Im Verlauf des ganzen Konzertes verhielten sich die Kinder erstaunlich ruhig. Alle achteten die Regel, nach den Musikstücken nicht zu klatschen, sondern nur zu winken, um lärmempfindliche Babys nicht zu erschrecken. Einige Zuhörer ließen durchblicken, dass sie sich diese Art von Beifallsbekundung auch in anderen Konzerten wünschen würden.

 

Nach einer Dreiviertelstunde, als sich die Musiker nach zwei Zugaben verabschiedeten, durfte dann aber endlich richtig applaudiert werden, wovon alle ausgiebig Gebrauch machten.

 

Bratschistin Olga Hübner, die ihr erstes Babykonzert gegeben hatte, war nach der Aufführung ganz begeistert. „Es war toll und ungezwungen, in diesem Rahmen zu musizieren, einfach befreiend. Die Kleinen so an Musik heranzuführen ist großartig."

 

Von Sybille Heine